Archiv // Rechtliches // Die Geschichte von Anna und Arthur
EINE WAHRE GESCHICHTE
in fünf Akten und einer Rückblende und einer Moral
Erster Akt:
Anna und Arthur wohnen in einem kleinen Städtchen. Auch dieses Städtchen hat seine Nazis und selbstverständlich sind Anna und Arthur jederzeit bereit, gegen dieses Pack etwas zu unternehmen.
So waren sie sofort zur Stelle, als das Nazi - Pack eines schönen Tages einen Ausflug machen wollte zwecks Großveranstaltung irgend einer unangenehmen Art und mittels eines Busses, der sie dorthin transportieren sollte. Der Bus hielt auf einem Parkplatz, Anna, Arthur, Ayse und Ali, Archibald und Andrea, sowie eine Menge Freundinnen und Freunde standen alsbald um den Bus herum und drehten den reisewilligen Nazis eine Nase. Erst der geballten Gewalt des Staates in Form einer Horde ungehobelter Rüpel mussten sie weichen. Vorher waren sie aufgefordert worden, eine Versammlungsleitung zu benennen; der Chef der anwesenden Staatsgewalt wandte sich zu diesem Zwecke an den Ältesten der Runde, das war Ali. Ali wies zwar alle Zuständigkeit von sich, aber trotzdem, seitdem füngierte er in den Hirnen der Staatsgewalt als `Versammlungsleiter'. Sämtliche Personalien wurden aufgenommen - und das war das fürs Erste...
Zweiter Akt:
Ein wenig später bekommt Arthur eine Vorladung zu den ausführenden Organen der Staatsgewalt (Polizei). Er hätte wen beleidigt, heißt es. Arthur kennt zwar den Zettel vom Ermittlungs-Ausschuss wo drin steht, polizeilichen Vorladungen brauchte niemand Folge zu leisten, doch er fragt noch mal rum. Aber auch Anna meint gleich: „Da brauchste ja nicht hinzugehen, steht auch in `Was tun, wenn's brennt'. Gehste auch nicht hin, oder?" „Öhh," meint Arthur „Ja, ich denk mal nich." Na, dann ist ja alles klar, denkt Anna. Hat Anna sich gedacht.
Dritter Akt:
Alle Beteiligten an der Anti-Nazi-Bus-Aktion haben ein Ermittlungsverfahren wegenNötigung an den Hacken. Alle Verfahren werden eingestellt. (Der Doku-Wagen der Staatsgewalt war damals anderweitig beschäftigt, und so waren die Herren Polizisten nicht in der Lage, genau anzugeben, wer denn nun wohl vor welcher Bus-Türe oder überhaupt da gestanden hat - nötigenderweise).
Tja, aber da blieb doch noch einer, dem schon immer mal ein kleiner Dämpfer gegeben werden sollte: Ali, der von Staatsgewaltens Gnaden ernannte und im Protokoll vermerkte `Versammlungsleiter': "Hau nu hamm wir ihn! Vorladen!"
Vierter Akt:
Ali wird vorgeladen, staatsanwaltlich, da muss er wohl hin. "Ich war gar nicht Versammlungsleiter", sagt er. „Was Sie nicht sagen", sagt der Staatsanwaltsherr. "Steht aber hier im Protokoll: Versammlungsleiter einer nicht genehmigten Kundgebung zum Zwecke einer Nötigung. Kann ich somit wohl beweisen, denn ein Protokoll ist Beweis genug. Was sagense nu?!" „Kann gar nicht sein, und überhaupt, das war eine spontane Versammlung!" sagt der Ali. Aber: "Das wissen sie genau?" fragt der Staatsanwaltsherr. "Ganz genau weiß ich das," sagt der Ali.
"Und warum?" fragt da der Staatsanwaltsherr. "Warum haben wir da eine Aussage, dass dazu auch aufgerufen wurde? Und zwar Tage vorher? Also kommen sie uns nicht mit spontan!"
Da hatten sie Ali am Arsch.
Eine Rückblende:
Arthur war sich unschlüssig: Anna hat zwar sicher recht und so, aber trotzdem, kann doch eigentlich gar nix schaden, hinzugehen, und wer weiß, was sonst noch daraus wird, ist sicher nicht so schlimm, ich sag ja schon nix, ich werd nur mal so gucken, was die wirklich von mir wollen, vielleicht verplappern die sich ja auch und ich kann was weitersagen, und dann, ist doch nix Wichtiges eigentlich, und trotzdem, bevor noch was nachkommt und dann wird's wohlmöglich dicke enden, ey ich geh einfach mal hin und fertig.
Sechster Akt:
Ali hat ein Verfahren, das steuert auf eine Verurteilung zu. Er erzählt etwas von einer ominösen Aussage von wegen einem Aushang. „Weiß wer was davon?" Oh, denkt Anna, oh - oh. Sie geht zu Arthur: „EY, Warste nun bei den Bullen oder nich?!" "Doch", antwortet Arthur fröhlich. "War gar nicht schlimm. Die haben mich nur gefragt, ob ich den Dings beleidigt habe, der hatte nämlich Anzeige gegen mich erstattet, wegen Beleidigung. Aber ich hab gesagt, den Dings kenn ich gar nicht, konnte ich deshalb gar nicht beleidigen, und damit war das für die gegessen. Die haben dann nur noch gefragt, wieso ich überhaupt da war, da hab ich gesagt, wegen einem Aushang im Laden. Sonst wollten die gar nichts weiter. Konnte ich gleich wieder gehen." Volltrottel, du Volltrottel, dass die Männer immer denken, sie wüssten alles besser - Volltrottel blöder, denkt Anna. Und dann sagt sie ihm das auch. Und was denn damit wäre: mit Anna und Arthur halten das Maul, und weder Aussagen noch Unterschriften geben, und überhaupt. „Alles schon tausendmal gelesen und alles für die Tonne, was?!" Und: Was ihm einfiele, und dass er sich schon mal Gedanken machen solle, wie er das Geld für das Verfahren gegen Ali zusammenbekommen könnte. Und noch so einiges hatte Anna dem Artur zu sagen. Wir können nur hoffen, dass er mal gut zuhört - diesmal.
Und die Moral von der Geschicht:
So was kommt von so was und nur nix sagen ist gut.
ANNA UND ARTHUR HALTEN'S MAUL - wenigstens ab jetzt?!
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